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04 02 2019 Michael Ludwigaufklärung

Das Gendersternchen

Darauf hat die Welt gewartet: Ein Zeichen, das anzeigt, dass ein Wort gefälligst geschlechtsneutral zu lesen ist. Deshalb schreibt man jetzt z.B. Mitarbeiter*innen anstelle von MitarbeiterInnen oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Also eigentlich schreibt man jetzt mehr als man müsste. Doch wo kommt das Sternchen eigentlich her?

Das Sternchen kommt von weit her, aus der Vergangenheit, und heißt mit bürgerlichem Namen Asteriscus oder Asteriskos, je nachdem wie weit man sich in der Geschichte zurück bewegen möchte. Das topmoderne Sternchen hat seine Wurzeln im altgriechischen und ist ein fünf- oder sechsstrahliger Stern. Der Asterisk hat viele Funktionen. So dient er als 'Malzeichen' auf Rechenmaschinen, Taschenrechnern oder Computer-Tastaturen. Als genealogisches Zeichen zeigt er an: Achtung, es folgt ein Geburtsdatum.

In der Typographie wird das Sternchen ausserdem als Hinweis auf eine Fußnote (Sternchentext) genutzt oder man nutzt es als Platzhalter um Worte, die man nicht schreiben sollte, zu entschärfen und dann trotzdem zu schreiben. 'Sch***e' zum Beispiel.

In Programmiersprachen nutzt man so ein Asterisk als Wildcard für eines oder beliebig viele andere Zeichen - wenn man beispielsweise in einer Datenbank aller Meier, Maier, Mayer und Meyer finden möchte, könnte man stattdessen nach M*er suchen und fände dann die Vorgenannten (man fände noch viel mehr, aber es soll ja nur ein leicht verständliches Beispiel sein). Das Sternchen übernimmt in der Mathematik und Informatik noch viele weitere Aufgaben.

Aber weil das Sternchen damit noch lange nicht ausgelastet ist, dient es auch noch als Aufzählungszeichen in Listen, als Quellcode in Markdown Texten oder als Kennzeichnung von fettzuschreibendem wenn keine optischen Auszeichnungen zur Verfügung stehen.

Und - weil das alles noch nicht genug ist und man so etwas unbedingt benötigt - füllt das Gendersternchen seit kurzer Zeit die plötzlich entstandene Gender_Gap, den Raum zwischen dem neutralen und dem geschlechtspezifischen Teil einer Wortkonstruktionen, wie eben Mitarbeiter*innen. Interessant - wenn nicht gar in höchstem Maße diskriminierend - ist dabei, dass in der Regel der neutrale Teil der Wortkonstruktion der männlichen Wortform entspricht. Rein von der Logik her wäre Mitarbeit*er*innen die korrekte Schreibweise.

Jetzt haben wir aber, weiter oben, schon gelernt: Das Sternchen ist eine 'Wildcard' und kann somit einen oder beliebig viele Buchstaben ersetzten. Tut es bei Mitarbeit*er*innen aber nicht - ganz im Gegenteil, es suggeriert das da an der entsprechenden Stelle etwas wäre. Ist aber nicht, war nicht und wird auch nicht sein. Das Sternchen ist also, technisch betrachtet fehl am Platz. Richtig wäre demnach Mitarbeit*.

Gott sei Dank gibt es in der Linguistik die Kontradiktion, also wenn die eine Aussage das Gegenteil der anderen ist. Und die, die kennzeichnet man mit einem Sternchen. Mitarbeiterinnen sind ja bekanntermaßen das Gegenteil von Mitarbeitern und dieserhalb und desterwegen ist es völlig korrekt dem Sternchen die Ehre zu Teil werden zu lassen, diese beiden gegenteiligen und grundverschiedenen Aussagen, im Sinne der Inklusion, auseinanderzuhalten.


typographie


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